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Josip Broz Tito Aussprache
(* 7. Mai
1892 als Josip
Broz in Kumrovec,
Kroatien;
† 4.
Mai 1980
in Ljubljana)
war ein jugoslawischer
Politiker
und Staatsmann.
Das Pseudonym Tito
nahm Josip Broz 1934 an, als er Mitglied des Politbüros
der Kommunistischen
Partei Jugoslawiens wurde und in den politischen Untergrund ging.
Als Marschall führte
Tito im 2.
Weltkrieg die kommunistischen Partisanen
im Kampf gegen die deutschen Besatzer Jugoslawiens.
Nach dem Krieg wurde er zunächst Ministerpräsident
und schließlich Staatspräsident
seines Landes, ein Amt, das er bis zu seinem Tod bekleidete. Er verfolgte
eine von der Sowjetunion
unabhängige Politik und galt seit den 50er
Jahren als einer der führenden Staatsmänner der Bewegung
der blockfreien Staaten.
Leben
Jugend und erste
Kriegserfahrungen
Josip Broz entstammte
einer kleinbäuerlichen Familie in Kroatien, das zur Zeit seiner Geburt zu
Österreich-Ungarn
gehörte. Sein Vater war Kroate, seine Mutter Slowenin. Er absolvierte
eine Schlosserlehre
und trat 1910
in die sozialdemokratische
Partei ein. 1913
wurde er in die österreichisch-ungarische Armee eingezogen. Als im Jahr
darauf der Erste
Weltkrieg ausbrach, kam er zunächst als Unteroffizier an die Front
gegen Serbien, bis er 1915
in russische Gefangenschaft geriet.
In Russland
wurde er Zeuge der Oktoberrevolution
und trat 1918
in die Rote
Armee ein. Auf ihrer Seite kämpfte er im Bürgerkrieg zwischen den Bolschewiki
und ihren Gegnern. Erst 1920
kehrte er in seine Heimat zurück, die nun zum neu geschaffenen Königreich
Jugoslawien gehörte.
In der
Zwischenkriegszeit
Josip Broz schloss sich
nach seiner Heimkehr der Kommunistischen Partei Jugoslawiens an. 1927
wurde er zum Sekretär der Metallarbeitergewerkschaft gewählt. Da die KPJ
damals verboten war, wurde er wegen politischer Agitation
mehrmals inhaftiert, zuletzt von 1928
bis 1934.
Nach seiner Entlassung emigrierte er nach Paris,
wurde aber noch im gleichen Jahr in das Zentralkomitee
des Politbüros der KPJ gewählt.
In den Jahren von 1936
bis 1938
engagierte sich Tito, wie er sich seit 1934 nannte, auf der Seite der
Republikaner im Spanischen
Bürgerkrieg. 1937
ernannte ihn die Komintern
zum Generalsekretär
der KPJ, eine Funktion, in der er 1940
durch eine Nationalkonferenz seiner Partei bestätigt wurde.
Als Partisanenführer im
zweiten Weltkrieg
Nachdem Nazi-Deutschland
Jugoslawien im April 1941
überfallen hatte (Balkankrieg),
organisierte Tito den bewaffneten Widerstand
der jugoslawischen Kommunisten gegen die deutschen und italienischen
Besatzer in Form des Partisanenkrieges.
Während des Krieges
gelang es den kommunistischen Partisanen
Jugoslawiens unter der Führung Titos sich gegen die Besatzer und die
mit ihnen verbündete faschistische
Ustascha-Bewegung
aus Kroatien durchzusetzten. Vor allem in Serbien und Bosnien kämpften
sie gegen die zunächst kollaborierenden königstreuen Cetniks.
Die "Volksbefreiungsarmee"
(Narodnoslobodilaèka vojska/armija) konnte sich als politisch
einflussreichste Gruppe etablieren. Während des Widerstandskampfes wurde
Tito zum Marschall ernannt und stand ab dem 29.
November 1943
als Präsident an der Spitze des "Antifaschistischen Rates der
Nationalen Befreiung" (AVNOJ), der eine provisorische Regierung
bildete und weite Teile des besetzten Landes kontrollierte.
Seit Ende 1944
übte der Antifaschistische Rat die Macht in ganz Jugoslawien aus. Er
wurde auch von den Alliierten
anerkannt und vor allem vom britischen Premier Winston
Churchill unterstützt. Bereits während des Krieges zielte Titos
Diplomatie darauf ab, ein Gleichgewicht zwischen den Westmächten und der
Sowjetunion zu halten - einerseits, um im Befreiungskampf von beiden
Seiten unterstützt zu werden, andererseits, um nach dem Krieg weiter
unabhängig agieren zu können.
Der Staatschef der
Nachkriegszeit
Nach Kriegsende ließ
sich Tito in einer Volksbefragung den Machterhalt bestätigen. Am 29.
November 1945
wurde er Ministerpräsident der Volksrepublik Jugoslawien. Bis 1953
betrieb er mit Hilfe der Nationalen Volksbefreiungsfront und der KPJ die
Umwandlung Jugoslawiens in einen sozialistischen
Staat.
Dabei setzte er auch
brutale Repressionen
nach stalinistischem Vorbild ein. So geschah unter seiner Verantwortung im
Mai 1945 das Massaker
von Bleiburg. Dabei wurden zahlreiche politische Gefangene in Karsthöhlen
wie z. B. der Jazovka
ermordet oder auf die Gefängnisinsel Goli
Otok gebracht.
Da Titos
Partisanenbewegung Jugoslawien ohne direktes Eingreifen der Roten Armee
befreit hatte, war das Land das einzige sozialistische Land ohne
sowjetische Besatzungstruppen. Dies ermöglichte Tito eine auf Unabhängigkeit
und Gleichberechtigung
beruhende Außenpolitik, zu der auch eigenständige Beziehungen zum Westen
gehörten.
Zudem nahm er für
Jugoslawien in Anspruch, einen eigenen Weg zum Sozialismus
zu gehen, der im Kern ein gewisses Maß an Selbstverwaltung
der Betriebe vorsah. Dieser so genannte Titoismus
brachte das Land in Gegensatz zu den sowjetischen Hegemoniebestrebungen
und führte 1948
zum Bruch zwischen Tito und Stalin.
Die Auseinandersetzung wurde mit erbitterter Härte geführt. Stalin
versuchte vergeblich, die jugoslawische Partei gegen Tito aufzuhetzen und
drohte ihm in der Prawda öffentlich mit Mord ('das Schicksal Trotzkis ist
lehrreich', konnte man dort in Bezug auf Tito lesen). Die Einladung
Stalins, in Moskau die Differenzen 'freundschaftlich' zu besprechen,
lehnte Tito folglich ab. Erst unter Chruschtschow kam es - zu Titos
Bedingungen - wieder zu normalen Beziehungen mit der Sowjetunion.
Nach der Annahme einer
neuen Verfassung
im Jahr 1953
übernahm Tito das Amt des Staatspräsidenten, das er ab 1963
auf Lebenszeit innehatte. Er setzte sich für die Gleichberechtigung der
Staaten, die friedliche Koexistenz
der Blöcke und die Entwicklungsländer
ein. Zusammen mit den Staatschefs von Ägypten
und Indien,
Gamal
Abdel Nasser und Jawaharlal
Nehru gehörte er zu den Protagonisten einer Politik der Blockfreiheit.
Diese wurde mit der Gründung der Blockfreienorganisation (Non Aligned
Movement, NAM) institutionalisiert. Durch sein Charisma
und seine auf Ausgleich zielende Politik erwarb er sich auch außerhalb
Jugoslawiens besonderes Ansehen. Er war einer der angesehenensten
Vertreter der blockfreien
Staaten.
Innenpolitisch verfolgte
Tito weiterhin einen autoritären Regierungsstil, obwohl es nach der
Absetzung des Sicherheitschefs Aleksandar Rankovic 1966 zu einer
deutlichen Liberalisierung der jugoslawischen Gesellschaft kam, die sich
z.B. in einer relativen Freiheit von Kunst und Kultur ausdrückte. Den
Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes in die CSSR 1968 verurteilte
Tito scharf, was sein Image im westlichen Ausland zusätzlich verbesserte.
Im Jahr 1971
ließ er nach nationalistisch gefärbten Demonstrationen den Kroatischen
Frühling niederschlagen, auf den Massenverhaftungen folgten. Die
Ereignisse führten jedoch dazu, dass Jugoslawien 1974
auf Initiative Titos eine Verfassung erhielt, die den Föderalismus
stärker betonte. Dies war eine der Forderungen des Kroatischen Frühlings
gewesen.
Im Januar 1980
kam der 87-jährige mit einer schweren Thrombose
im linken Bein ins Krankenhaus. Es musste kurze Zeit danach amputiert
werden. Am 4.
Mai 1980
verstarb Tito nach längerer Krankheit im medizinischen Zentrum in Ljubljana.
Millionen von Menschen begleiteten seinen Sarg in einem Trauerzug durch
das ganze Land.
Er liegt im Belgrader
Mausoleum
"Kuæa Cveæa" (Haus der Blumen) begraben.