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SLOBODAN MILOSEVIC


Milosevic

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By Wikipedia

Slobodan Milo¹eviæ war ein jugoslawisch-serbischer Politiker. Er war von 1989 bis 1997 Vorsitzender der Kommunistischen Partei Serbiens und Präsident Serbiens, von 1997 bis 5. Oktober 2000 Präsident der Bundesrepublik Jugoslawien. Milo¹eviæ war der erste Präsident eines Staates, der noch während seiner Amtsausübung von einem Kriegsverbrechertribunal wegen Völkermordes angeklagt wurde.  

Leben

Herkunft

Slobodan Milo¹eviæ war der zweite Sohn von Svetozar Milo¹eviæ und Stanislava Milo¹eviæ. Seine Eltern waren Montenegriner. Slobodan verstand sich trotzdem als Serbe, im Gegensatz z. B. zu seinem Bruder Bora, der als Montenegriner politische Karriere gemacht hat. Sein Vater beging 1962 mit einer Pistole Selbstmord, seine Mutter erhängte sich 1974.

Politische Karriere

Slobodan Milo¹eviæ trat 1959 dem Bundes der Kommunisten Jugoslawiens (BDKJ), der kommunistischen Partei des Landes, bei. 1964 schloss er sein Studium der Rechtswissenschaften mit dem juristischen Staatsexamen an der Universität Belgrad ab. Ab 1969 war er Vizedirektor und ab 1974 Generaldirektor von Technogas. Von 1978 bis 1983 war er Direktor der Beogradska Banka. 1984 wurde er zum Leiter der Belgrader Regionalgruppe des BDKJ und 1987 dessen Parteisekretär.

In seinem Bemühen, in seiner Karriere weiter voran zu kommen, mischte er seine bis dahin kommunistische Rhetorik zunehmend mit nationalistischen Thesen. Dies geschah vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftkrise, in der sich Jugoslawien in den 1980er Jahren auf Grund einer katastrophalen Auslandsverschuldung befand. Dabei hatte das Sanu-Memorandum aus dem Jahr 1986 bedeutenden Einfluss auf die weitere politisch-ideologische Entwicklung Milo¹eviæs.

1989 übernahm er das Präsidentenamt und wurde 1990 bei den ersten freien Wahlen seit dem Zweiten Weltkrieg mit 65 Prozent der Wählerstimmen im Amt bestätigt.

Sein erklärtes politisches Ziel war es jetzt, die Dominanz der Serben in Jugoslawien auszubauen oder sogar ein Großserbien mit ihm als Präsidenten zu schaffen. Eine der ersten Amtshandlungen war das Aufheben der Autonomie für die autonomen Gebiete Kosovo und Vojvodina im Rahmen der „antibürokratischen Revolution“.

Im Jahr 1990 führten die zunehmenden Unabhängigkeitsbestrebungen Kroatiens und Sloweniens zur faktischen Auflösung des BDKJ. Im Juli 1990 fusionierte der Bund der Kommunisten Serbiens, der serbischen Republiksorganisation des BDKJ, mit der Massenorganisation Serbische Allianz zur Sozialistischen Partei Serbiens (SPS), zu deren ersten Vorsitzenden Milo¹eviæ gewählt wird.

Der Krieg in Jugoslawien

Im Zusammenhang mit auch maßgeblich von Milo¹eviæ geschürten nationalistischen Spannungen unterstützte er als Präsident Serbiens die Anfang 1990 in Kroatien und in Bosnien-Herzegowina entstandene rechtsradikale Serbische Radikale Partei sowie die Serbischen Demokratischen Partei, um paramilitärische Verbände zu mobilisieren. Dies geschah auch durch die Lieferung von Waffen und Kriegsgerät der serbisch dominierten Jugoslawische Volksarmee (JNA) an lokale serbische Kräfte (unter anderem Zivilisten) in Kroatien und Bosnien. Diese Unterstützung hielt auch während des gesamten kriegerischen Auseinandersetzungen nach dem Zerbrechen Jugoslawiens von 1991 bis 1995 an, wobei Serbien bzw. die neu entstandene Bundesrepublik Jugoslawien außer bei dem kurzen Unabhängigkeitskrieg Sloweniens 1991 nie offiziell an diesen Auseinandersetzungen beteiligt war

Es gibt Spekulationen darüber, dass die serbische Regierung unter Milo¹eviæ die militärische Auseinandersetzung 1990, möglicherweise auch schon davor, geplant hat, um einen gemeinsamen großserbischen Staat zu schaffen, wobei es in erster Linie darum ging, Gebiete an Serbien anzugliedern. Allerdings ist diese Ansicht nicht beweisbar, da von den Politikern der Republik Serbische Krajina der gemeinsame Staat mehrfach gefordert, aber von Milo¹eviæ öffentlich immer wieder abgewiesen wurde.

Am 21. November 1995 unterzeichneten Milo¹eviæ, der bosnische Präsident Alija Izetbegoviæ und der kroatische Präsident Franjo Tuðman das so genannte Dayton-Abkommen, das den Krieg in der ehemaligen Teilrepublik Bosnien und Herzegowina beendete und das politische System im nunmehr unabhängigen Bosnien und Herzegowina festlegte. Der größte Erfolg der Politik Milo¹eviæs war die Schaffung der Republika Srpska als eigenständige Entität innerhalb dieser Republik.

Machterhalt durch Wahlbetrug

Aus den Kommunalwahlen vom 17. November 1996 waren in vielen Städten und Gemeinden Serbiens, unter anderen auch in Belgrad, Oppositionsparteien als Sieger hervorgegangen und nur durch Wahlfälschungen konnte die Vertreter der SPS unter Milo¹eviæ die politische Macht weiter für sich reklamieren. In Belgrad und anderen serbischen Städten forderte die Opposition in Massendemonstrationen daraufhin den Sturz Milo¹eviæs, was zur Anerkennung der Wahlerfolge der Opposition die Regierung im Februar 1997 führte. Damit begann Milo¹eviæs Macht in Serbien zu bröckeln. Im Juli 1997 trat er vom Amt des serbischen Präsidenten zurück, auch weil er in diese Funktion laut Verfassung nicht hätte wiedergewählt werden können, wurde aber daraufhin am 15. Juli 1997 von der sozialistischen Mehrheit des jugoslawischen Bundesparlaments zum Staatspräsidenten der Bundesrepublik Jugoslawien gewählt.

Im Mai 1998 veranlasste er den Sturz des jugoslawischen Ministerpräsidenten Radoje Kontiæ aus Montenegro, wodurch sich die Spannungen zwischen der von Milo¹eviæ beherrschten Bundesregierung und Montenegro erheblich verschärften.

Kosovo und das Eingreifen der NATO

Im Kosovo kam es in den 1990er Jahren durch die Politik der serbischen Regierung unter Milo¹eviæ zu sich weiter verschärfenden ethnischen Konflikten, hauptsächlich zwischen der mehrheitlich albanischen Bevölkerung und den in diesem Gebiet als Minderheit lebenden Serben. Neben den zunächst im Wesentlichen friedlichen Bestrebungen zur Loslösung des Kosovo von Serbien, die vor allem von Ibrahim Rugova geleitet wurden, entwickelte sich ab 1996 mit der UÇK eine albanische paramilitärisch-freischärlerische Organisation, die sich zunehmend Gefechte mit den serbischen Polizeieinheiten lieferten. Diese antworteten mit einer teilweise brutalen Unterdrückung auch der zivilen Bevölkerung. Das Vorgehen der serbischen Sicherheitskräfte nahmen die NATO-Staaten zum Anlass, militärisch in diesen Konflikt einzugreifen, nachdem die multilateralen Verhandlungen über den Status des Kosovo in Rambouillet bei Paris am 18. März 1999 gescheitert waren (siehe auch: Kosovo-Krieg).

Vom 24. März 1999 bis zum 8. Juni 1999 flogen daraufhin Kampfflugzeuge der NATO insgesamt 31.800 Luftangriffe auf militärische, infrastruktuelle und sogenannte strategische Ziele. Bei diesen Angriffen wurden auch Zivilisten getötet und verwundet, ca. 5.000 Menschen kamen insgesamt ums Leben. Am 10. Juni 1999 zogen sich schließlich auf Anordnung Milo¹eviæs die serbischen Truppen aus dem Kosovo zurück. Die NATO beendete daraufhin das Bombardement.

Milo¹eviæ wurde nach langanhaltenden Protesten und Massendemonstrationen schließlich am 5. Oktober 2000 durch einen Volksaufstand gestürzt, nachdem er sich nach den Präsidentschaftswahlen vom 24. September 2000 zunächst als Wahlsieger erklärt hatte. Neuer Präsident wurde daraufhin Vojislav Ko¹tunica.

Da eine Milliarden-Aufbauhilfe für Serbien-Montenegro durch eine internationale Geberkonferenz von der Auslieferung des ehemaligen Machthabers abhing, wurde er am 1. April 2001 verhaftet und am 28. Juni nach Den Haag an den Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien ausgeliefert.

Anklage vor dem Kriegsverbrechertribunal

Am 27. Mai 1999 wurde Milo¹eviæ, der als Schlüsselfigur der Jugoslawienkriege galt, vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) in Den Haag angeklagt.

Die Anklageschrift vom 31. Mai 2002 spricht von einer „kriminellen Vereinigung“ und klagt Milo¹eviæ an, an der Planung, Anordnung, Durchführung und Unterstützung von Verbrechen an nationalen, religiösen oder ethnischen Gruppen beteiligt gewesen zu sein.

Insgesamt 66 Klagepunkte wurden Milosevic in drei Anklageschriften für die folgenden Handlungen vorgeworfen:

Drei verschiedene Anklageschriften für die folgenden Kriege:

Anklagepunkte:

Anklagepunkte Kroatien-Krieg:

Anklagepunkte Bosnien-Krieg: zusätzlich die folgenden Verbrechen:

Anklagepunkte Kosovo-Krieg:

zum Kosovo-Krieg wurden Milo¹eviæ darüberhinaus die folgenden Verbrechen vorgeworfen

  • die systematische Vertreibung des albanischen Bevölkerungsteils geplant, befohlen und betrieben zu haben.

  • die Vertreibung von 800.000 Zivilisten aus dem Kosovo

  • den Tod von mindestens 900 Menschen.

  • Verbrechen gegen die Menschlichkeit

  • Kriegsverbrechen.

Allen drei Anklageschriften zufolge sei Milo¹eviæ verantwortlich für:

Die Verhandlung vor dem Tribunal begann im Jahr 2002. Milo¹eviæ wurde erlaubt, sich selbst zu verteidigen, da er das Gericht nicht als legitim anerkannte. Die Gerichtsverhandlung wurde häufig unterbrochen, weil er das Gericht zeitweilig als geeigneten Ort für politische Reden betrachtete. In diesem aufwendigen Gerichtsverfahren wurden über 400 Zeugen vernommen, 200 Videos und eine enorme Menge an Akten und Dokumenten gesichtet. In Serbien wie auch in den übrigen Republiken des früheren Jugoslawiens wurde die Verhandlung zunächst mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Dabei gab es innerhalb der serbischen Bevölkerung zwischen den Befürwortern und Gegnern seiner Politik deutlich divergierende Bewertungen. Auf Grund der sich über Jahre hinziehenden und sich in juristischen Details verlierenden Verhandlung erlahmte das Interesse aber zusehends. Ein Urteil sollte in wenigen Monaten im Laufe des Jahres 2006 (voraussichtlich im Mai) gefällt werden.

Krankheiten und Tod

Milo¹eviæ litt unter der Zuckerkrankheit, Bluthochdruck und Herzproblemen. Das Gerichtsverfahren wurde deshalb vielfach unterbrochen und zog sich auch aus diesem Grund in die Länge. Sein Zustand habe sich Anfang 2006 innerhalb kurzer Zeit dramatisch verschlechtert. Eine Behandlung des Angeklagten in Russland lehnten die Haager Richter Ende Februar des Jahres ab, da auch in den Niederlanden entsprechende medizinische Möglichkeiten bestünden.

Er wurde am Morgen des 11. März 2006 tot in seiner Zelle im Gefängnis des UN-Kriegsverbrechertribunals im Haager Stadtteil Scheveningen aufgefunden. Eine erste Obduktion der Leiche durch vom Gericht bestellte Gutachter ergab, dass er an einem Herzinfakt verstarb. Die Untersuchung einer vor seinem Tod vorgenommenen Blutprobe ergab Anhaltspunkte für die Einnahme des Antibiotikums Rifampicin (ein Medikament das typischerweise zusammen mit mehreren anderen Medikamenten gegen Lepra und Tuberkulose eingesetzt wird) in seinem Blut. Dieses kann die Wirkung von Medikamenten (darunter auch herzwirksame Mittel) durch Enzyminduktion aufheben oder abschwächen. Es ist unklar, ob er selbst dieses Mittel nahm, um eine Behandlung in Moskau zu erzwingen oder ob Fremdeinwirkung vorliegt. Eine Laboruntersuchung niederländischer Gerichtsmediziner nach der Obduktion der Leiche ergab keine Anzeichen für eine Vergiftung. Es wurden Spuren der von seinen behandelnden Ärzten verschriebenen Medikamente festgestellt, jedoch nicht in giftiger Konzentration. Rifampicinspuren konnte nicht ermittelt werden. Das Antibiotikum war bei einer früheren Untersuchung im Blut von Milosevic entdeckt worden, dieses wird jedoch schnell im Körper abgebaut. Somit können weiterhin weder natürlicher Tod noch Suizid oder Fremdtötung, die ohne Vergiftung jedoch unwahrscheinlicher ist, ausgeschlossen werden.

Er hinterlässt seine Ehefrau Mirjana Markoviæ und zwei Kinder (Marko und Marija). Milo¹eviæ wurde eine Woche nach seinem Tod in seinem Heimatort Po¾arevac auf dem Anwesen seiner Familie beigesetzt. Das Begräbnis wurde vor 20.000 Trauergästen ohne Beisein seiner Witwe und seines Sohnes vollzogen, da diese aus Angst vor Verhaftung ihr Moskauer Exil nicht verlassen wollten. Stattdessen wurden Abschiedsbriefe seiner Familie verlesen.

Publizistische Unterstützung oder Aufruf zur Objektivität?

Die Schriftsteller Harold Pinter und Peter Handke sowie der Journalist Jürgen Elsässer haben trotz der Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen und Völkermordes in mehreren Büchern und Aufsätzen eine differenziertere Betrachtung des Wirkens Milo¹eviæs angemahnt. Faktisch haben sie ihn damit publizistisch unterstützt, was insbesondere durch Handkes Rede auf Milo¹eviæs Beerdigung deutlich geworden ist.

 

 



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