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Maos Kampagnen
„Hundert-Blumen-Bewegung“
(1956 - 1957)
Im Mai 1956
initiierte Mao die Hundert-Blumen-Bewegung.
Er ließ die Zensur für die Intellektuellen lockern, um neue
Anregungen zu erhalten, wobei er meinte, er habe nur ca. 3 % der
Intellektuellen gegen sich. Aus Angst vor dem Regime setzte die Kritik
der Intellektuellen aber erst ein Jahr später im Mai 1957 im Zuge
einer weiteren Kampagne ein. Da auch Maos Politik heftig kritisiert
wurde, ließ Mao durch Deng
Xiaoping die Hundert-Blumen-Bewegung stoppen, diffamierte die
Intellektuellen in einem neuen Klassenkampf „Kampagne
gegen Rechts“ und ließ 300'000 Intellektuelle inhaftieren.
Insgesamt wurden 400'000 bis 700'000 ihm als „Volksfeinde“
erscheinende qualifizierte Angestellte entlassen und durch neue
kommunistische Kader aus den Bauernschichten ersetzt. Damit stand
China unter bäuerlicher, unqualifizierter Führung, die ihrerseits -
nach der jahrtausendelangen Unterdrückung - eine Rache gegen die
Intellektuellen hegte und sich von wissenschaftlicher Seite nichts
mehr sagen ließ.
Der „Große
Sprung nach vorn“ (1958 - 1961)
1958 lancierte Mao (im
Rahmen des zweiten 5-Jahresplanes) eine Kampagne mit dem Ziel, den
Aufbau der bis dahin fast vollständig fehlenden Leichtindustrie zu
forcieren und die Produktivität der Landwirtschaft massiv zu steigern.
Mit dieser schlecht geplanten und auf der rücksichtslosen Ausbeutung
der Leistungskraft der Bevölkerung basierenden Kampagne wollte Mao
die wirtschaftlichen Voraussetzungen schaffen, um sich vom Einfluss
der Sowjetunion
unter dem ideologisch kompromissbereiten Chruschtschow
lösen zu können sowie um die militärische Aufrüstung
voranzutreiben und die weltweite Verbreitung des Mao Kommunismus zu
finanzieren. Das Programm lief unter dem Schlagwort Der
große Sprung nach vorn. Der damals einzige nennenswerte
Wirtschaftsfaktor des Landes, die Landwirtschaft, wurde mit brutalsten
Methoden zu Höchstleistungen gezwungen. Die Ernte wurde der
Bauernschaft jedoch über Jahre hinweg praktisch vollständig
abgenommen, um sie gegen Devisen ins Ausland, vor allem nach Russland,
zu verkaufen. Die Bauernschaft im ganzen Lande wurde dabei derart
ausgepresst und ausgehungert, dass bis zu 40 Millionen Menschen (andere
Quellen gehen von bis zu 75 Millionen aus) an den Folgen dieser
Kampagne starben. Mit den Erlösen wurden die Aufrüstung des Landes,
insbesondere der Bau der Atombombe forciert, aber auch Länder in der
ganzen Welt, wie Albanien, Mozambique, Indonesien, usw., finanziell
unterstützt. Um die angebliche Leistungskraft Chinas und des Mao
Kommunismus zu demonstrieren, ging das sogar soweit, dass selbst
weniger Not leidende Länder als China finanziell unterstützt wurden.
Das Resultat des ideologischen Ehrgeizes war die größte
Menschenvernichtung der Weltgeschichte mit Massenhungertod, Massenmord,
staatlichem Terror und Elend. Um die katastrophalen Folgen des Großen
Sprungs nach vorn zu vertuschen, wurde damals das nationale
statistische Amt abgeschafft und durch ein Amt für gute Nachrichten
ersetzt. Bis 1981 wurde dieser Krieg gegen die eigene Bevölkerung nie
thematisiert.
Wegen der wachsenden
Opposition höchster Parteikader gegen das halsbrecherische Programm
des Großen Sprungs nach vorn verlor Mao 1958 gegenüber besonneren
Parteiexponenten wie Deng Xiaoping vorübergehend an Macht. Im
gleichen Jahr trat er von seinem Amt als Staatspräsident zurück,
behielt jedoch im Hintergrund weiterhin die Zügel in der Hand. Deng
Xiaoping, Liu
Shaoqi und Chen
Yun u.a. gewannen vorübergehend an Einfluss. Bereits an der
Konferenz von Lushan
am 1. Juli 1959 initierte Mao jedoch eine Kampagne gegen die
sogenannten „Rechtsabweichler“, womit es ihm gelang alle
Politiker, die seinem Programm mit zweifelhafter Einstellung gegenüberstanden,
einzuschüchtern. Auf Geheiß Maos wurde der „große Sprung nach
vorne“ bis 1961 weitergeführt. Da die katastrophalen Folgen der
Kampagne gegenüber der Bevölkerung verschwiegen werden mussten,
blieb der Nimbus Maos intakt und nach der Zündung der ersten
chinesischen Atombombe
im Jahre 1964 sowie nach der Veröffentlichung des „Kleinen
Roten Buches“ mit den angeblichen „Zitaten des großen
Vorsitzenden Mao“ im selben Jahr wuchs sein Einfluss und seine
Stellung als Alleinherrscher wurde mit Hilfe der fanatisierten Massen
unanfechtbar. Die Atombombe erwirkte für Peking-China die
schrittweise internationale diplomatische Anerkennung und ließ die Ein-China-Politik
zur Isolierung Taiwans
zu. Die Plakatkünstler zeigten den Kopf Maos weiterhin in einer roten,
strahlenden Sonne, und bei Massendemonstrationen trugen die Massen
fortan das „Kleine Rote Buch“ zur Schau...
Die Kulturrevolution
(1966 - 1976)
1966 konnte Mao so
die große proletarische
Kulturrevolution
starten. Vordergründig sollten mit ihr die reaktionären Tendenzen,
die sich gemäß Mao, insbesondere unter den Parteikadern und der
Intelligenz breit gemacht hatten, und den Erfolg der kommunistischen
Bewegung zu vereiteln drohten, niedergeschlagen werden. Effektiv
lieferte das brutale Vorgehen gegen die angeblichen Rechtsabweichler
Mao jedoch den Vorwand um seine innerparteilichen Konkurrenten
auszuschalten. Die von Mao gegen die Rechtsabweichler aufgehetzten
Jugendlichen, die so genannten Roten
Garden, waren zu Beginn der Kulturrevolution vor allem die Kinder
von Parteikadern und der Intelligenz (Hochschuldozenten, Lehrern, Höheren
Beamten, Akademikern), die ihre Eltern und Lehrer überwachen und
denunzieren mussten. Das Vorgehen gegen die angeblichen
Rechtsabweichler war äußerst brutal. Zahllose bisherige Stützen des
Staates wurden von fanatisierten Massen ermordet oder schwer verletzt
und demütigenden Behandlungen ausgesetzt. Während der rund zehn
Jahre dauernden bürgerkriegsähnlichen Kulturrevolution starben
Hunderttausende von Menschen, darunter auch alte Weggefährten Maos,
die von ihm als Konkurrenten empfunden wurden. Zu den Opfern gehörte
auch Deng Xiaoping, welcher jedoch überlebte und nach dem Tode Maos
dessen Nachfolger als Parteivorsitzender wurde. Andere Konkurrenten,
wie der designierte Mao-Nachfolger Lin Biao kamen aus ungeklärten Gründen
ums Leben.
Die Kulturrevolution
führte auch zur organisierten Zerstörung von Kulturgütern. So
wurden Tausende von Tempeln niedergemacht, Bibliotheken verwüstet und
Bücher öffentlich verbrannt. Bis auf zehn, von Frau Mao persönlich
ausgelesenen Opern, wurde die Aufführung von Opern im ganzen Land
verboten. Die Bevölkerung musste ihre privaten Kunstgegenstände wie
Bilder, Schmuck, Bücher usw. den Garden abliefern.
Maos Außenpolitik
Außenpolitisch war
die Aufnahme Volkschinas in die UNO 1971 Maos größter Erfolg. Taiwan
wurde gleichzeitig aus der UNO ausgeschlossen. Mit dem Besuch von
US-Präsident Nixon
1972 trat auch der langjährige Maogefährte Zhou
Enlai (Chou En-Lai) ins Rampenlicht. Der „Bambusvorhang“
fiel damit immer mehr, während Mao 1972 einen ersten Schlaganfall
erlitt und Deng
Xiaoping wieder aus der Verbannung geholt wurde. Als Deng eine
Amnestie durchführte, wurde er aber von der „Viererbande“
gleich ideologisch angegriffen und wieder als „Kapitalistenfreund“
verbannt. Und als Deng Xiaoping nach Zhou Enlais Tod Anfang 1976 die
Gedenkdemonstrationen am Tiananmen-Platz
organisierte, wurde auch mit Kritik an der „Viererbande“
nicht gespart, sodass Deng Xiaoping wiederum von der „Viererbande“
in die Verbannung geschickt wurde. Mao, der über jede Leiche ging,
ließ dies alles zu, bis er schließlich am 9.September 1976
selbst verstarb und die bis dahin in Zensur
gehaltenen Massen an seiner Leiche
Schlange standen. Gleichzeitig hatte das Universitätssystem unsägliche
Probleme wegen Lehrermangel, und das Land kam ökonomisch kaum vom
Fleck.
Mao-Kult ohne Mao -
zögernde Aufarbeitung der Vergangenheit
Mao wurde für seine
Verbrechen und seine politischen Fehler weder zu seinen Lebenszeiten
noch posthum je verurteilt. Die Mao-Denkmäler stehen nach wie vor
alle aufrecht. Die Armut in China blieb ihrerseits riesengroß, und
die Masse der Bauern war 1976 erst zu ca. 50-60 % alphabetisiert
(Schätzung der Weltbank für 1978: 60 %). Nach Maos Tod wurde
eine neue Verfassung eingeführt und die „Viererbande“
sofort verhaftet. Die Mao-Witwe Jiang
Qing wurde in einem Prozess 1981 zum Tod auf Bewährung verurteilt.
Das Urteil wurde zwei Jahre später in lebenslänglich umgewandelt.
1991 wurde sie aus gesundheitlichen Gründen entlassen, doch zehn Tage
später beging sie Suizid.
Nach der endgültigen
Rehabilitierung von Deng Xiaoping 1977 und nach der diplomatischen
Anerkennung durch die USA am 1. Januar 1979 öffnete China die Grenzen
und rehabilitierte die überlebenden Mao-Opfer. Der Inhalt der
Mao-Bibel (das „Kleine Rote Buch“) wird 1980 als Weisheit
der gesamten Mao-Führung definiert.
1981 gesteht die KPCh
schließlich erstmals offiziell die Misserfolge ihrer Revolutionen ein,
schützt Mao aber weiterhin: Die „Kulturrevolution“ sei
ein „grober Fehler“ gewesen. Maos Wirken sei in der
Endabrechnung aber zu „70 Prozent positiv“ zu bewerten,
denn die Leistungen würden die Irrtümer mehr als ausgleichen. Schätzungen
kritischer Historiker sehen dies z. T. grundlegend anders.
Die Historiker
diskutieren seither, ob ein China ohne Mao eine schnellere und
menschlichere ökonomische Entwicklung genommen hätte. Mao wird im
Wirtschaftsaufschwung seit den 1980er Jahren weiterhin kultisch als
Maskottchen oder als Anhänger etc. verehrt (wie Stalin in Russland
seit der Perestroika). Der letzte Schritt zu Demokratie und zu
Menschenrechten ohne Mao-Ideal scheint China nur schwer vorstellbar
und ist bisher nicht verwirklicht. Die „Kulturrevolution“
ist bis heute kaum aufgearbeitet.
Bedeutung Maos
1972: Mao
Zedong trifft sich in Peking mit Richard M. Nixon
Sein Ausspruch bei
der Proklamation der Volksrepublik China am 1. Oktober 1949:
„China ist wieder auferstanden“, gibt vielleicht am
ehesten Maos geschichtliche Bedeutung wieder. Ihm und seinen Kampfgefährten
ist es mitzuverdanken, dass die Chinesen nach einem Jahrhundert ausländischer
Besetzung ihre nationale Unabhängigkeit wieder erlangten. Außenpolitisch
band Mao China zunächst eng an die Sowjetunion („nach einer
Seite lehnen“, „yibian dao“) an. Seine Zweifel an
der Tauglichkeit des sowjetischen Modells zur Entwicklung und
weltweiten Verbreitung des Kommunismus (mit Mao als Weltbeherrscher)
ließen ihn aber nach dem Tode Stalins
den allmählichen Bruch mit der UdSSR vorantreiben. Innenpolitisch ist
die Mao-Zeit geprägt von einer Reihe von Kampagnen, die nicht erst
mit der Hundert-Blumen-Bewegung 1956/57 (siehe oben) begannen. Sinn
und Zweck der permanenten Kampagnen war vordergründig der, dass die
sich immer wieder bildenden bürgerlichen Strukturen durch eine
permanente Revolution zerschlagen werden sollten. Diese Säuberungen
dienten allerdings mindestens ebenso sehr dem autoritären
Machtanspruch von Mao selbst, den er rücksichtslos gegen alle tatsächlichen
und vermeintlichen Feinde verteidigte. Die autoritäre Philosophie des
Maoismus
diente hierbei als Rechtfertigung seiner uneingeschränkten Herrschaft.
Der Maoismus
als Politische Bewegung war nicht nur in China prägend, sondern
beeinflusste auch die europäische Studentenbewegung, die Naxaliten
in Indien, die Guerilla Bewegung Leuchtender
Pfad in Peru, die Kommunistische
Partei der Philippinen und zahlreiche andere Parteien, Gruppen und
Splittergruppen.
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