Wladímir Iljítsch
Uljánow (russisch
Владимир
Ильич
Ульянов, genannt Lenin,
russisch Ленин anhören
?
/ Lizenz;
* 10. April / 22.
April 1870
in Simbirsk;
† 21.
Januar 1924
in Gorki bei Moskau, war führender Kopf der Oktoberrevolution
1917 in
Russland,
Vorsitzender des Rates
der Volkskommissare,
Autor zahlreicher theoretischer und philosophischer Schriften. Er
gilt neben Karl
Marx und Friedrich
Engels als einer der Schöpfer des wissenschaftlichen Sozialismus.
Als Marxist war Lenins Ziel die Errichtung der Diktatur
des Proletariats. Wichtig dabei war Lenin die unbestrittene
Führungsrolle einer kommunistischen
Partei, welche die Vorhut des Proletariats (Arbeiterklasse)
darstelle und die von ihm ausgearbeitete Organisationsform des Demokratischen
Zentralismus. Die Sozialdemokratie lehnte er ab 1914 wegen ihrer
Burgfriedenspolitik als reformistisch und opportunistisch ab.
Lenin stammte aus
einer Familie des niederen Adels, die sich sozial und kulturell
liberal engagierte. Lenins Mutter, Maria Alexandrowna, geborene
Blank, heiratete 1863 als 28-jährige den Mathematik- und
Physiklehrer Ilja Nikolajewitsch Uljanov, welcher ein Kalmücke
aus Baku
und als Inspektor von Volksschuleinrichtungen tätig war.
Der Großvater mütterlicherseits,
Dr. Alexander Blank, war jüdischer Herkunft, dessen Ehefrau Anna,
geborene Großschopf, war Wolgadeutsche
aus Simbirsk (ab 1924:
Uljanowsk),
Tochter eines Gutsbesitzers, welche starb, als Maria 3 Jahre alt
war.
1887 wurde Lenins
älterer Bruder Alexander,
der damals Student in Sankt
Petersburg war, wegen Verschwörung und versuchten Mordes an Zar
Alexander
III. an der Lena
hingerichtet. Dies hatte großen Einfluß auf Lenin, der nun stärker
politisch engagiert war.
Im selben Jahr
wurde Lenin von der Universität in Kasan verwiesen, nachdem er an
einem Studentenprotest teilgenommen und die Polizei die Verbindung
zu seinem Bruder aufgedeckt hatte. Nach einem Gnadenerweisen konnte
Lenin 1891 sein Jurastudium beenden. Seine Arbeit als Rechtsanwalt
beschränkte sich auf einige wenige Fälle.
Beginn der
politischen Tätigkeit
Lenins politische
Überzeugungen sind in der Anfangszeit noch nicht gefestigt.
Theoretisch setzte er sich einerseits kritisch mit den russischen
Volkstümlern (Narodniki),
welche eine eigene Variante des Sozialismus propagierten, und
andererseits mit den Thesen von Karl
Marx, die er bereits theoretisch interpretierte, auseinander.
1893 zog er nach Sankt Petersburg. Dort studierte er die Theorien
von G. W. Plechanow,
dem er später in der Schweiz auch selbst begegnete. Nach einer
mehrmonatigen Europareise durch Deutschland, Frankreich und die
Schweiz gründete er den „Bund
für die Befreiung der Arbeiterklasse“ ("союз
борьбы за
освобождение
рабочего
класса"). Nachdem er im
Herbst nach Russland zurückgekommen war, nahm er sofort seine
agitatorische Tätigkeit wieder auf.
Als er im Begriff
war, eine illegale Zeitung Die Sache der Arbeiter
herauszugeben, wurde er im Dezember 1895
verhaftet (Anklage: Agitation).
Im Untersuchungsgefängnis richtete er sich eine Bibliothek in
seinem „Studierzimmer“ ein und verbrachte dort 14 Monate.
1897
wurde er im Februar für drei Jahre nach Schuschenskoje
in Ostsibirien
verbannt, wo er unter Polizeiaufsicht leben musste. In Ufa
traf er auch wieder Nadjeschda
Krupskaja, die er 1898
in der Verbannung
heiratete.
Sofort nach der Rückkehr
aus der Verbannung im Februar 1900 suchte Lenin nach einer Möglichkeit,
eine von der Zensur unabhängige Zeitung herauszugeben. In Russland
war das nicht möglich, und so verließ er am 29. Juli 1900 Russland
für über fünf Jahre. Nach einem kürzeren Aufenthalt in Genf,
wo er sich mit Plechanow über die Herausgabe der Zeitung Iskra
("Der Funke") einigte, ließ sich Lenin unter dem Namen
Meyer bei dem sozialdemokratischen Gastwirt Rittmeyer in der
Kaiserstraße 53 in München
illegal nieder. 1902
verfasste er in der bayerischen Landeshauptstadt die programmatische
Schrift Was
tun?, in der er die These verwarf, dass die Arbeiter von
sich aus Klassenbewußtsein entwickeln würden. Nach Lenins Ansicht
bräuchten sie stattdessen die Führung durch eine gut organisierte
Partei (Avantgardetheorie). Das entsprechende Organisationsmodell
stellte der Demokratische
Zentralismus dar.
Der Deckname
Ab Dezember 1900
verwendete er den Decknamen beziehungsweise das Pseudonym
„Lenin“. Eine Erklärung besagt, dass er sich dabei auf
den sibirischen Strom Lena
bezog (Lenin bedeutet russisch: „Der vom Flusse Lena Stammende“)
– nach Sibirien verbannt zu werden bedeutete damals praktisch,
dass man im zaristischen Russland als anerkannter Oppositioneller
galt. Die andere plausible Erklärung besagt, dass er mehr an sein
Kindermädchen Lena dachte, und dass er bereits als kleiner Bub auf
die Frage, „wessen [Bub] er sei“ zu antworten pflegte: „Lenin!“
(russisch: „Lenas!“).
Aufbau der Partei
Lenin betrieb den
Aufbau einer streng organisierten Kaderpartei
aus „Berufsrevolutionären“ und wurde wegen seiner
– von der Illegalität erzwungenen, aber auch vom russischen
revolutionären Terrorismus inspirierten – Rigorosität und
wegen seiner radikalen theoretischen Positionen der am meisten
beachtete linke Sozialdemokrat.
Die Ansichten und
Absichten von Lenin führten 1903
auf dem zweiten Parteitag
(in London) zur faktischen Spaltung der Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei Russlands (SDAPR)
in die Fraktionen der eher reformorientierten Menschewiki
einerseits und in der von Lenin angeführten, revolutionsorientierte
Bolschewiki
andererseits.
Im Unterschied zu
den theoretischen „legalen Marxisten“
und den politisch gemäßigten sozialreformistischen Menschewiki
(russisch: „Minderheitler“), die auf eine längere
kapitalistische Evolution Russlands setzten, sah Lenin das Land als
das rückständigste Land im modernen Kapitalismus und die
proletarische Revolution als nahe bevorstehend. Das untersetzte er
durch politökonomische, politische und philosophische Studien.
In der bürgerlich-demokratischen
Revolution von 1905 bis 1907 vertraten die Bolschewiki
die Position einer Radikalisierung der Umwälzung, hin zur Machtübernahme
durch Sowjets
(Räte) der Arbeiter und Bauern. Im Januar 1907 floh Lenin aus
Sicherheitsgründen nach Finnland,
ein Jahr später zog er nach Genf.
Bis 1912
wurden die Unterschiede zwischen den beiden Fraktionen immer größer,
weswegen bei der sechsten Gesamtrussischen Parteikonferenz in
Prag
die Menschewiki ausgeschlossen wurden. Sie bildeten daraufhin eine
eigene Partei, während die SDAPR nun die Erweiterung (Bolschewiki)
trug.
Im April 1912 veröffentlichte
Lenin zum ersten Mal die Prawda.
In der Folgezeit widmete sich Lenin im Schweizer Exil wieder
marxistischen Studien, es entstand vor allem seine bekannte Schrift Der
Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus (Januar bis
Juni 1916), die die Grundlage der marxistischen
Theorie des Imperialismus
sowie der darauf basierenden Stamokap-Theorie
bildete.
1914
brach der Erste Weltkrieg aus. Die Bolschewiki waren international
die einzige sozialdemokratische Parteiorganisation, die von Anfang
an gegen die Kriegspolitik der eigenen Regierung mobilisierte.
Dennoch gelang es der Partei nicht, sich einen nennenswerten Rückhalt
in der Bevölkerung zu verschaffen. Ihre Mitgliederzahl, ihre
Akzeptanz und ihr Einfluß blieben gering.
Im weiteren Verlauf
der Geschichte nach der Oktoberrevolution benannten sich die
Bolschewiki 1918 in Kommunistische Partei Russlands (B) um.
1922 folgte die Umbenennung in Kommunistische Partei der
Sowjetunion (B). (Später, 1952 fiel der Zusatz (B) weg, KPdSU.)
1917 - 1918
Nach der Februarrevolution
1917 kehrten Lenin und andere prominente Kommunisten aus der Schweiz
über das Gebiet des Kriegsgegners Deutschland, Schweden und
Finnland nach Russland zurück. Sie fuhren in einem versiegelten Zug,
der zu exterritorialem Gebiet erklärt war. Es gibt Thesen, denen
zufolge der Zug in Berlin
gehalten hat, wo er mit 40 Millionen Goldmark
beladen worden sei. Das Geld habe aus der Kasse des Deutschen
Reiches gestammt und habe die bolschewistische Revolution
vorantreiben sollen. Man habe sich erhofft, nach dem Umsturz in
Russland einen Separatfrieden schließen zu können. Unzweifelhaft
ist allerdings, dass Lenins Rückkehr ohne die Unterstützung des
Deutschen Reichs in dieser Form nicht hätte stattfinden können. Im
April 1917 erreichte Lenin mit einigen seiner Genossen Petrograd
und verkündete die Möglichkeit und Notwendigkeit, die Revolution
zur Machtergreifung der Arbeiter, Bauern und Soldaten zuzuspitzen (Aprilthesen).
Nach weiteren militärischen
Fehlschlägen der gemäßigt sozialistisch-liberalen „Provisorischen
revolutionären Regierung“ gelang es den Bolschewiki und den
neu gegründeten Sowjets im November 1917 (nach dem in Russland noch
geltenden julianischen Kalender im Oktober) die bürgerliche
Regierung zu stürzen (Oktoberrevolution).
Der sofortige Friedensschluss,
die Verteilung des Bodens an die Bauern und die Übernahme der
Fabriken durch die Arbeiter waren die unmittelbar wirkenden Losungen.
Bei der letzten freien Wahl zur Konstituierenden Versammlung im
November 1917 erlitten die Bolschewiki eine schwere Niederlage. Als
sich die gewählte Versammlung im Januar 1918 konstituieren wollte,
ließ Lenin dies mit Gewalt verhindern und zahlreiche Ageordnete
verhaften. Die Partei etablierte unter Lenins Vorsitz die
bolschewistische Regierung (Rat
der Volkskommissare). Im Februar 1918
entstand auf ihre Veranlassung die Rote
Armee unter der Leitung von Leo
Trotzki. Am 5.
März 1918 beendete das Abkommen
von Brest-Litowsk den Krieg mit Deutschland.
Attentat
Am 30. August 1918
wurde Lenin bei einem Attentat durch zwei Schüsse verletzt. Die
Projektile trafen ihn in der Schulter und im Hals. Die Kugel im Hals
konnte nie entfernt werden. Als Attentäterin verhaftete man kurz
darauf Fanny
Kaplan, eine Anhängerin der linken Sozialrevolutionäre.
Einige westliche Historiker hegen jedoch Zweifel an der Täterschaft
Kaplans. Auch in bürgerlichen Kreisen unumstritten dagegen ist der
zweite Anschlag auf Lenin Anfang der 1920er Jahre. Entsprechend
Lenins politischem Testament wäre dieser, ein längeres Leben
Lenins vorausgesetzt, vermutlich niemals in entscheidende
Machtposition der UdSSR gekommen. Vom Lungendurchschuss des zweiten
Anschlags erholte sich Lenin Zeit seines Lebens nicht mehr.
1918 - 1922
Lenin war trotz
vieler offen ausgetragener Meinungsunterschiede die unumstrittene Führungspersönlichkeit
der Regierung und wurde als die höchste Autorität der 1919
entstehenden dritten „Kommunistischen Internationale“ (Komintern)
angesehen.
Bereits kurz nach
der Oktoberrevolution versuchte Lenin die russische Wirtschaft per
Dekret in eine zentrale Planwirtschaft
umzuwandeln. Als erstes wurden bis Anfang 1918 die Banken
verstaatlicht. Gemäß des Parteiprogramms der Bolschewiki sollte
das Geld als Zahlungsmittel komplett abgeschafft werden. Da das Geld
nicht per Dekret abgeschafft werden konnte, ließ die Regierung
durch zusätzliches Gelddrucken bis 1922 eine Hyperinflation
herbeiführen, die alle umlaufenden Geldmittel entwertete. Lenin
beauftragte 1918 den Journalisten Jurij Larin damit, eine zentrale
Planungsinstanz für die Verstaatlichung
der Industrie zu schaffen. Hieraus ging der Oberste Wirtschaftsrat
hervor, der die Enteignung der privaten Unternehmen umsetzte, deren
Eigentümer in der Regel ihre Betriebe entschädigunglos abtreten
mussten. Das Firmenvermögen wurde vom Staat eingezogen.
Gegen die
bolschewistische Regierung formierte sich in vielen Landesteilen
Widerstand. Um ihre Macht zu sichern und den Widerstand zu brechen,
setzte die Regierung die vom Volkskommissar
für Kriegswesen Leo
Trotzki im Jahre 1918 gegründete Rote
Armee ein. So entwickelte sich ein Bürgerkrieg, in den sich die
USA, Großbritannien und zahlreiche andere Staaten durch die Unterstützung
der weißen Truppen einmischten. Dieser Bürgerkrieg war durch große
militärische Härte geprägt und dauerte bis zur Niederlage der weißen
Truppen Ende 1921 an. Für die Bolschewiki war es zudem ein Grund,
in den eigenen Reihen gegen potentielle Kollaborateure vorzugehen,
speziell nach dem Anschlag von Kaplan auf Lenin.
Im Sommer 1920
unternahm Lenin nach innerparteilichen Auseinandersetzungen den
Versuch, den Kommunismus im Ausland zu etablieren. Nachdem im April
polnische Einheiten und ukrainische Nationalisten vergeblich
versucht hatten die Ukraine zu besetzen und aus dem sowjet.
Staatenbund zu lösen, ließ die Partei die Rote Armee in Polen
einmarschieren (Polnisch-sowjetischer
Krieg). Die Hoffnung auf eine einsetzende Revolution dort erfüllten
sich indes nicht. Die Polen kämpften, unabhängig von ihrer
Klassenzugehörigkeit, gegen den russischen Einmarsch. Die Rote
Armee wurde von polnischen Truppen unter Marschall Pilsudski
vernichtend geschlagen.
Auf dem 8.
Gesamtrussischen Sowjetkongress, der vom 22. - 29. Dezember 1920
stattfand, gab Lenin die berühmte Losung aus: Kommunismus - das
ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes. (Werke,
Bd. 31, S. 513). Damit wollte er erreichen, dass Russland von einem
kleinbäuerlich geprägten Land zu einer großindustriellen Macht
wird.
Aufgrund des Bürgerkrieges
kam es zu einer Versorgungskrise. Einen teilweisen Anteil an dieser
Krise hatte auch die Agrarpolitik der Bolschewiki. Für sie als
Marxisten gehörten die selbstständigen Bauern zur kleinbürgerlichen
Klasse und waren somit ein zu überwindendes Subjekt. Im Zuge der
Zentralisierung der Landwirtschaft sollten die Bauern ihre Erträge
zu niedrigen Festpreisen
an die staatlichen Behörden abgeben. Als die Bauern dies
verweigerten, ließ Lenin die Erträge durch bewaffnete Kommandos
aus den Städten einsammeln. Dieser Konflikt wurde ebenfalls mit großer
Härte ausgetragen und forderte zahlreiche Menschenleben. Die Bauern
reagierten auf die Zwangsmaßnahmen mit der Verkleinerung der
Anbauflächen, was wiederum zu noch geringeren Erträgen und vor
allem in den Städten zu Hungersnöten führte. Verschärft wurde
die Ernährungslage noch durch den andauernden Bürgerkrieg.
Aufgrund der schlechten Versorgungslage kam es zum Aufstand der (teilweise
anarchistischen) Matrosen von Kronstadt
(„Für Sowjets ohne Kommunisten!“). Der politische Zündstoff
der Zwangrequirierungen ist vor dem Hintergrund zu betrachten, dass
derlei Massnahmen auch durch die antirevolutionären Weissgardisten
durchgeführt wurden und die Bevölkerung somit an zwei Seiten
abgeben musste. Unter den Bolschewiki kam es zur Einrichtung von
Zwangs-Arbeitslagern
für vorgebliche oder echte Regimegegner, die sein Nachfolger Stalin
ausweitete, auch als Gulag
bezeichnet.
Zudem benutzten die
Bolschewiki die durch den Bürgerkrieg und die Agrarpolitik
entstandene Hungersnot dazu, gegen die russisch-orthodoxe
Kirche vorzugehen. Unter dem Vorwand die Wertgegenstände zur
Linderung der Not einzusetzen, wurde im Februar 1922 ein Dekret
erlassen, welches die Beschlagnahme des kirchlichen Inventars
regelte. Die Erlöse daraus kamen aber nicht den Hungernden zu Gute,
sondern allein dem Staatshaushalt. Bereits im Januar 1918 hatten die
Bolschewiken per Dekret die Trennung
von Staat und Kirche durchgesetzt und den Religionsunterricht
aus der Schule verbannt.
NÖP und Gründung
der UdSSR
Um die
Versorgungslage nach dem gewonnenen Bürgerkrieg zu verbessern,
wurde 1921
die „Neue
Ökonomische Politik“ eingeführt, welche die
Zwangsrequirierungen stoppte und den Bauern kleinkapitalistischen
Handel erlaubte - laut Lenin ein „taktischer Schritt zurück“.
Im Mai 1922
erlitt Lenin seinen ersten Schlaganfall,
im Dezember des selben Jahres den zweiten. Daraufhin wurde Lenin vom
Politbüro
von der Außenwelt abgeschirmt, um seine Genesung zu begünstigen.
Am 30.
Dezember 1922 wurde die UdSSR
gegründet. Im März 1923
erlitt Lenin seinen dritten Schlaganfall, er verstarb am 21.
Januar 1924
gegen 4.23 Uhr im Alter von 53 Jahren. Die genaue Todesursache blieb
der Öffentlichkeit jahrzehntelang verborgen. Während die von der KPdSU
„kanonisierte“ Biographie sowie das auch im Westen
allgemein anerkannte Werk Dmitri Wolkogonows von massiven Durchblutungsstörungen
oder von einem weiteren Schlaganfall
sprechen, vermuten andere Quellen einen letalen Status
epilepticus infolge einer fortschreitenden Syphilis-Erkrankung
(Neurolues).
Nach Lenins Tod entbrannte ein Machtkampf in der KPdSU zwischen Anhängern
des Lagers um Josef
Stalin und der Linken
Opposition um Leo
Trotzki.
Politisches
Testament und die letzten Ideen
Das letzte
Foto von Lenin
In einem als
politisches Testament angesehenen Brief an den Parteitag der KPdSU,
den er zwischen Dezember 1922 und Januar 1923 diktierte, hatte er
deutliche Kritik an seinen potentiellen Nachfolgern geübt. Zu
Stalin heißt es:
-
Gen. Stalin
hat, nachdem er Generalsekretär geworden ist, eine
unermessliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin
nicht überzeugt, dass er es immer verstehen wird, von dieser
Macht vorsichtig genug Gebrauch zu machen. [...] Stalin ist zu
grob, und dieser Mangel, der in unserer Mitte und im Verkehr
zwischen uns Kommunisten durchaus erträglich ist, kann in der
Funktion des Generalsekretärs nicht geduldet werden. [...]
Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu überlegen, wie
man Stalin ablösen könnte, und jemand anderen an diese Stelle
zu setzen, der sich in jeder Hinsicht von Gen. Stalin nur durch
einen Vorzug unterscheidet, nämlich dadurch, dass er toleranter,
loyaler, höflicher und den Genossen gegenüber aufmerksamer,
weniger launenhaft usw. ist.
Über Trotzki
urteilte Lenin: Persönlich ist er wohl der fähigste Mann im
gegenwärtigen ZK, aber auch ein Mensch, der ein Übermaß von
Selbstbewusstsein und eine übermäßige Vorliebe für rein
administrative Maßnahmen hat. (Werke, Band 36, S. 579 f.)
Mausoleum in
Moskau
Lenin wurde auf
Anweisung Stalins nicht beerdigt, sondern liegt bis heute in einem
Mausoleum auf dem Roten
Platz in Moskau. Sein Leichnam ist präpariert worden und im Lenin-Mausoleum
der Öffentlichkeit zugänglich. Heute noch stehen regelmäßig
lange Schlangen von Menschen vor dem Mausoleum, um Lenin zu
betrachten. Sein Gehirn soll von Forschern untersucht worden sein,
da man meinte, dass Lenin ein besonderes Genie war und etwaige
Anzeichen dafür sich an oder in seinem Gehirn finden lassen könnten.
Lenin wurde zunächst
in Uniform einbalsamiert, später hat man ihm jedoch einen Anzug
angezogen. Wegen aggressiver Chemikalien muss der Anzug etwa alle
zehn Jahre ausgetauscht werden.