Leben
mit João
de Deus Pinheiro, 25. November 1998
Laurent-Désiré
Kabila wurde am 27. November 1939 im Norden der Provinz Süd-Katanga,
in der Hafenstadt Moba (am Tanganjikasee) geboren. In den 50er
Jahren wurde er Mitglied der Jugendorganisation
der Partei BALUBAKAT, einer Patrice
Lumumba nahestehenden Partei, die für die Interessen des
Balubavolkes von Katanga eintrat.
Kurz nach der
Entlassung Kongos in die Unabhängigkeit erklärte sich die Provinz
Katanga unter Moise
Tschombé unabhängig – unterstützt vom Westen, der darin
ein Bollwerk gegen den irrtümlicherweise als Kommunisten geltenden
und bald ermordeten Premierminister Lumumba sah. Es erfolgte ein
Aufstand der BALUBAKAT gegen Tschombé, ein Aufstand, an dem L.-D.
Kabila als „Militärführer“ teilnahm. Das Vorbild
Kabilas war damals der kongolesische Nationalist Patrice
Lumumba, der nach seiner Ermordung 1961 zum Märtyrer und
revolutionären Mythos wurde.
L.-D. Kabila war
wieder mit von der Partie, als Pierre Mulele, Lumumba-Anhänger und
Bildungsminister im ephemerischen Kabinett Lumumbas, einen neuen
Aufstand in der Provinz Bandundu anzettelte. Vom Nationalen
Befreiungsrat (Conseil National de la Libération), geführt von
Christophe Gbenye (Stellvertretende Vorsitzender der Partei Lumumbas,
MNC), bekam L.-D. Kabila den Auftrag, die ost-kongolesischen Bevölkerungen
im Süden der heutigen Provinz Süd-Kivu und im Nordosten Katangas
zum Aufstand anzustacheln.
In seiner
Eigenschaft als Führer der Süd-Kivu- und Nordost-Katanga-Front bot
der Lumumbist L.-D. Kabila 1965
einem anderen legendären Revolutionär ein dreiviertel Jahr lang
Unterschlupf: Ernesto Che
Guevara. Che versuchte, die bereits zusammenbrechende
kongolesische Revolution zu restabilisieren, um somit an der nach
Ansicht Guevaras wichtigsten Front des trikontinentalen,
antiimperialistischen Kampfes wieder in die Offensive zu gelangen
und damit auch die vietnamesische und lateinamerikanische Guerilla
zu entlasten bzw. zu unterstützen.
Einige Quellen
berichten darüber, dass diese Begegnung mit L-.D. Kabila bei Che
Guevara geringen Eindruck hinterlassen hatte. An einigen Stellen
ist sogar die Rede von der Bemerkung Ches, derzufolge L.-D. Kabila
ein Lebemann, aber kein Revolutionär sei. Zu seiner Ehrenrettung
gegenüber dieser Darstellung muss hinzugefügt werden, dass L.-D.
Kabila einer der wenigen war, die sich nach dem Ende der
kongolesischen „Revolution“ und dem Abzug ihrer ausländischen
Unterstützung, nicht von Kinshasa kaufen ließen. In diesem Sinne
setzte seine 1967
gegründete Partei – Parti de la Révolution Populaire (PRP)
– den Kampf gegen das zaïrische Kleptokraten-Regime noch
bis in die 80er Jahre fort, und zwar ziemlich genau in dem Gebiet,
in dem sich auch die Kubaner aufgehalten hatten (Süd-Kivu und
Nord-Katanga).
Nach der Gründung
der PRP, die auch über einen bewaffneten Arm verfügte (FAP),
unternahm L.-D. Kabila eine Autokritik, die in „sieben Irrtümer
der vorherigen Aufstandsversuche“ zusammengefasst wurden:
mangelnde politische Bildung, übermäßige Abhängigkeit vom
Ausland, Vernachlässigung der Bauern, Tribalismus, Mangel an
Disziplin und Selbstverleugnung, fehlende Zusammenarbeit zwischen Kämpfern
und Volk, Fehlen einer revolutionären Partei.
1984
eroberte die PRP die Stadt Moba
am Tanganjikasee,
die kurze Zeit später von den Truppen Mobutus
zurückerobert wurde. Ein erneuter Versuch zur Besetzung Mobas im
Jahre 1985
schlug fehl. Dieser Erfolg der zaïrischen Armee veranlasste Mobutu
zum Erlass einer Amnestie, die dazu führte, dass die PRP einige
ihrer Mitglieder, aber auch die Unterstützung durch das Ausland
verlor. L.-D. Kabila verließ vorerst Zaïre und seine Spur
verlor sich bis Oktober 1996, als er, von seinen politischen
Freunden in Kampala (Uganda) und Kigali (Ruanda) auf Vorschlag der
Amerikaner unterstützt, an die Spitze der neugegründeten „Alliance
des Forces Démocratiques pour la Libération du Congo (AFDL)“
trat.
Die AFDL, gegründet
am 18.
Oktober 1996
durch vier politische Parteien, war ein Zweckbündnis zwischen
verschiedenen Gegnern Mobutus, dessen unmittelbare Entstehung zurückging
auf „den bewaffneten Aufstand der Banyamulenge-Tutsi in Süd-Kivu
gegen das zaïrische Regime, das sie als Ausländer betrachtete
und ab Sommer 96 aus dem Land jagen wollte – genauso wie in
den Jahren davor Banyamasisi-Tutsi in Nord-Kivu Opfer der
Vertreibungen nach Ruanda geworden waren“ (TAZ vom 9. April
1997). Denn die AFDL und ihre Führer hatten nie daran geglaubt,
dass sich eine Diktatur freiwillig in eine Demokratie wandele. Damit
erklärt sich die Nicht-Teilnahme L.-D. Kabilas an der zwischen 1991
und 1992
in Kinshasa stattgefundenen Nationalkonferenz zur Einleitung eines
demokratischen Systems in Zaïre.
Nach einem
achtmonatigen Triumphzug durch das Land setzte die AFDL am 16.
Mai 1997
dem diktatorischen Regime Mobutus ein Ende. Das Land bekam den Namen
Demokratische Republik Kongo zurück, und am 17.
Mai 1997
autoproklamierte sich L.-D. Kabila zum Präsidenten.
Präsident Kabila,
der bei seinem Einzug in Kinshasa als Retter und Befreier gefeiert
worden war, verspielte durch eine Politik, die sich durch
Improvisation und Dilettantismus auszeichnete, seine Popularität.
Ein Jahr nach der Machtübernahme verbot er die politischen Parteien
und jegliche politische Betätigung mit der Folge, dass der durch
die Souveräne Nationalkonferenz eingeleitete
Demokratisierungsprozess blockiert wurde. Am 2.
August 1998
brach, nachdem Präs. Kabila die Vereinbarungen mit seinen
ehemaligen Alliierten, Ruanda und Uganda, aufgekündigt hatte, im
Osten des Landes eine bewaffnete Rebellion aus, die sich bis in den
Norden des Landes ausbreitete. Während diese Rebellion von Ruanda
und Uganda unterstützt wurde, standen dem Regime in Kinshasa
Angola, Simbabwe und Namibia militärisch zur Seite. Seitdem ist die
DR Kongo in 4 Machtzentren aufgeteilt. Das im Juli und August 1999
unterzeichnete Friedensabkommen von Lusaka ist aufgrund des
fehlenden Willens der Konfliktparteien und wegen des mangelnden
Interesses der internationalen Gemeinschaft während der
Regierungszeit L.-D. Kabilas nicht umgesetzt worden. Die
Verschlechterung der sozio-ökonomischen Situation der Bevölkerung
nahm stetig zu. Chaos, galoppierende Inflation, Auflösung des
Staates, Korruption, illegale Bereicherung, Nepotismus und willkürliche
Verhaftungen von Oppositionellen sind die Bilanz der über dreijährigen
Regierungszeit Präsident Kabilas.
Laurent Désiré
Kabila wurde am 16.
Januar 2001,
beinahe auf den Tag genau 40 Jahre nach der Ermordung von Patrice
E. Lumumba, durch einen seiner Leibwächter ermordet. Die
Hintergründe dieses Attentats sind bis heute nicht geklärt.
Sein Sohn Joseph
Kabila folgte ihm im Präsidentenamt nach.