GHEDDAFI
Muammar al-Gaddafi
oder Mu'ammar al-Qaddhafi (* September
1942), arabisch:
معمر
القذافي, ist seit 1969
de facto Staatschef
von Libyen.
Gaddafi erhielt seine
Offiziersausbildung in Großbritannien
und gründete später, vom Panarabismus
beeinflusst, den Bund Freier Offiziere. Mit diesem stürzte er 1969
König Idris
durch einen Putsch
und übernahm als Führer einer Militärjunta
die Macht. In der Folgezeit formte Gaddafi das Königreich in einen
sozialistischen Staat um. Er ging allerdings weitgehend eigene Wege. Das
Land nannte sich fortan Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Dschamahiriyya.
Gaddafi propagiert innenpolitisch das System der Volkskongresse als direkte Demokratie
ohne Parlamentarismus.
1976 veröffentlichte
er "das
Grüne Buch" in dem er seine politischen Ziele darstellte.
Zugleich vertrat Gaddafi
auch gewisse panarabische
Ansätze. 1979
trat er offiziell von der Staatsführung zurück, ohne jedoch seinen
beherrschenden Einfluss auf sämtliche Staatsgeschäfte zu verlieren.
Seit 1973
befand sich Libyen im Konflikt mit dem Tschad,
als Korrekturen der Grenzen zu Lasten des Tschad gefordert wurden. Trotz
eines Waffenstillstandes 1987
zogen sich erst 1994
die libyschen Truppen aus dem nördlichen Tschad
zurück.
Gaddafi setzt sich auch
stark für die arabische Einheit ein. Verschiedene Unionspläne mit Ägypten
oder den Maghrebstaaten
konnten aber nicht verwirklicht werden (z.B. gescheiterte Union mit Tunesien
1974). Seit
einigen Jahren versucht er, die afrikanische Einheit zu fördern. Die auf
sein Betreiben gegründete Afrikanische
Union (AU) als Nachfolgerin der Organisation Afrikanischer Einheit (OAU)
hat die EU zum
Vorbild und soll langfristig zu einem einheitlichen Wirtschaftsraum in Afrika
führen.
Er führte das Land in
weitgehende Isolation gegenüber dem Westen, besonders den USA,
die 1986 Tripolis
und Banghazi
bombardierten, da Libyen
Terroranschläge gegen US-Bürger unterstützt haben soll. Allerdings ließ
er in den letzten Jahren wieder eine gewisse Öffnung zu, wohl auch
angesichts immer ernsterer US-amerikanischer Drohungen gegen das Land.
Gaddafi werden Verbindungen mit dem internationalen Terrorismus
nachgesagt.
Gaddafi baute einen Kult
um seine Person auf.
1999
bekannte Gaddafi sich zur Schuld Libyens
an der Sprengung eines Passagierflugzeugs der amerikanischen
Luftfahrtgesellschaft PanAm
über der schottischen
Stadt Lockerbie;
er lieferte die Attentäter aus und ließ den Hinterbliebenen der Opfer eine
hohe Entschädigung zahlen.
2003
gab Gaddafi bekannt, dass sein Land die Entwicklung von Massenvernichtungswaffen
betreibe, dass er aber bereit sei, dieses Programm aufzugeben. Gaddafis Verhältnis
zum Westen hat sich seitdem stark verbessert. Im März 2004
besuchte ihn Tony
Blair und durchbrach damit die lange Isolation Libyens.
Im Oktober folgte Gerhard
Schröder als erster deutscher Kanzler.